Leinsamenöl – Wissenswertes über Leinöl

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Leinsamenöl

Als Leinsamenöl (Leinöl) bezeichnet man ein Pflanzenöl, das aus Leinsamen, den reifen Samen von Öllein, der Flachspflanze mit der lateinischen Bezeichnung „Linum usitatissimum“ hergestellt wird. Der Rohsubstanz, also dem rohen Leinöl, sind keine weiteren Bestandteile oder andere Öle beigemischt. Es gibt noch weitere Lein-Arten außer Öllein, die aus der Gattung der Leingewächse kommen und zur Herstellung von Ölen und Fasern verwendet werden. In der Vergangenheit wurde aus den Fasern der Flachspflanze in Handarbeit Leinen hergestellt, aus den Samen in speziellen Mühlen Leinöl gepresst.

Später verdrängte die Baumwolle das Leinen, weil sie einfacher zu verarbeiten war. Flachs wurde kaum noch angebaut, wodurch auch das Leinöl keine Konjunktur mehr hatte. Doch mittlerweile ist es durch den angepriesenen Gesundheitsfaktor sprichwörtlich wieder in aller Munde. Im Handwerk und bei Künstlern dient das Leinöl als Binde- und Konservierungsmittel schon seit Jahrhunderten als Werkstoff.

Was ist Leinsamenöl?

Leinöl wird von Leinsamen gewonnen und spielt nicht nur eine Rolle für den gesundheitlichen Bereich, wenn es durch Kaltpressung gewonnen wird und deshalb besonders hochwertig ist. Hierbei sind die Inhaltsstoffe durch ein besonders schonendes Verfahren weitgehend erhalten geblieben.

Es wird wegen des hohen Anteils der so genannten Omega 3-Fettsäuren für die feine und gesunde Küche und für die pharmazeutische Herstellung verwendet, da es gerade in der Ernährung eine sehr gute Alternative zu industriell hergestellten Fetten, die Transfette, darstellt. Transfette sollen Kritikern zufolge Adipositas (Fettleibigkeit), Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes fördern . Leinölprodukte der Arzneimittelhersteller finden sich überwiegend in den Nahrungsergänzungsmitteln, die meist in Kapsel- oder Tablettenform angeboten werden.

Die Inhaltsstoffe von Leinöl

Leinöl enthält in seinen Neutralfetten größtenteils ungesättigte Fettsäuren mit einem prozentualen Anteil von bis zu 90 Prozent. Hierbei vereinen die die Omega-3-Fettsäure und α-Linolensäure einen Prozentsatz von 45 % bis 71 % auf sich. Desweiteren sind etwa:

17 % bis 23,5 % Ölsäure und 12 % bis 24 % Linolsäure in dem aus den Leinsamen gepressten Öl enthalten. Leinöl enthält an Vitamin E rund 1,2 mg/100 g alpha-Tocopherol und 52 mg/100 g (gamma-Tocopherol). Außerdem weist das mit 17 bis 30 mg/100 g enthaltene Plastochromanol-8 einen relativ hohen Wert eines dem vier Vitamin E-Formen Tocotrienol ähnlichen Stoffes auf.

Leinsamenöl für die Haut

Aufgrund der Inhaltsstoffe kann hochwertiges Leinöl sehr gut auch für die Haut und insbesondere das Gesicht verwendet werden. Wie auch Kaktusfeigenkernöl. Hautpflegend wirkt es äußerlich angwendet – so bei Entzündungen der Haut, Akne oder Ekzemen sowie vor allem bei trockener Haut. Somit stellt das Öl aus Leinsamen eine gute Alternative zu chemischer Kosmetik dar. Hersteller sprechen sogar von zellregenerierenden Effekten, die das Leinsamenöl innehat. So sei es zudem hilfreich bei Hautrissen und Schädigungen der Haut.

Leinöl zum Schutz der Knochen?

Neuere Forschungen ägyptischer Wissenschaftler haben ergeben, dass Leinsamenöl zum Gesundheitsschutz der Knochen dienen kann und sich bei regelmäßiger Gabe positiv auf die Knochenstruktur auswirken soll. Insofern könnte es bei der Vorbeugung von Osteoporose eine wichtige Rolle spielen – bewiesen ist es bisher noch nicht.

Die Forscher gehen nach den erhaltenen Ergebnissen davon aus, dass die im Leinsamenöl enthaltenen Omega-3-Fettsäuren dafür verantwortlich sind, den Schutzfaktor für eine Knochenmineralisierung darzustellen. Es ist bekannt, dass bei Diabetes-Erkrankung und in der Menopause die Knochenmineralisierung nachlässt.

In Tierversuchen bei Ratten hat die Forschungsgruppe herausgefunden, dass bei Gabe von Leinöl der Prozess gestoppt werden konnte. Anhand des Stoffes Deoxypyridinolin, der beim Knochenabbau ausgeschieden wird, stellten die Wissenschaftler ein Absinken der Werte fest, als sie den Tieren Leinsamenöl gaben. Allerdings lässt sich dieses Ergebnis nicht unbedingt auf den Menschen übertragen. Hierzu wären weitere Forschungen nötig.

(Quelle: International Journal of Food Safety, Nutrition and Public Health)

Gesunde Ernährung und Leinsamenöl

Ernährungswissenschaftler und Mediziner sind sich einig, dass Nahrungsergänzungsmittel kein Allheilmittel sind, sondern eine gesunde und ausgewogene Ernährung eine wichtige Grundlage zur Gesunderhaltung dienen. Leinsamenöl gehört dazu, denn es ersetzt die gesundheitsschädlichen industriell hergestellte Transfette, die, gerade wenn sie üppig genossen werden, schlimme Dickmacher sind und Herz-Kreislauferkrankungen begünstigen sollen. Besonders in Fast-Food-Gerichten werden vorwiegend Transfette verwendet.

Was Küchenchefs empfehlen

Zunächst die schlechte Nachricht: Anders als Rapsöl, Distelöl oder Olivenöl ist Leinsamenöl nicht zum Braten geeignet. Die gute Nachricht: Leinöl eignet sich hervorragend in Salaten, als Brotaufstrich oder Dip. Bekannt ist die wohlschmeckende Eigenschaft. Besonders beliebt ist Quark mit Leinöl auf Pellkartoffeln. Dieses Gericht ist kalorienarm und gerade für die schlanke Küche geeignet. Weiterhin rühmen Ernährungswissenschaftler den gesundheitlichen Aspekt: Die vitamin- und mineralstoffreichen Kartoffeln enthalten viele Ballaststoffe, ein Plus für eine gesunde Verdauungstätigkeit.

Das im Quark enthaltene Cystein, eine schwefelhaltige Aminosäure, wird von unserem Stoffwechsel benötigt, um Glutathion zu erzeugen. Diesem wird wichtige Aufgaben bei der Zellteilung und der Reparatur unserer Erbsubstanz zugesprochen. Außerdem soll es die Abwehrkraft unseres Immunsystems stärken und als natürliches Antioxidanz wirken. Die Kombination mit Quark ist deshalb sehr empfehlenswert. Leinöl sollte immer frisch gepresst sein, damit es alle Nährstoffe voll entfalten kann und zudem seinen nussigen Geschmack beibehält. Allerdings ist die Aufbewahrungszeit begrenzt, weil das Öl licht-, wärme-und sauerstoffempfindlich ist.

Der Einsatz von Leinsamenöl in der Medizin

Leinöl, das einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren enthält soll Berichten und Studien zufolge bei folgenden Erkrankungen vorbeugend und lindernd wirken können. Es gibt einige wissenschaftliche Studien, die auf epidemiologischen Untersuchungen basieren. Allerdings sind sie noch nicht ausreichend und schlagkräftig genug, um eine tatsächliche Wirkung zu belegen. Die Verordnungen der EFSA erlauben es deshalb nicht derartige Wirkungen anzupreisen:

  • Herz-Kreislauferkrankungen
  • Diabetes
  • Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises
  • Arthrose
  • Erhöhter Cholesterinspiegel
  • Osteoporose
  • Krampfadern und Venenentzündungen

Es gilt immer zu bedenken: Bei Symptomen, die eine ernsthafte Erkrankung vermuten lassen, nie zur Selbstmedikation greifen, sondern immer den ärztlichen Rat einholen.

Worauf beim Leinsamenöl Kauf geachtet werden sollte

Leinsamenöl gibt es im Reformhaus und bei den meisten Bioläden vor Ort. Selbstverständlich ist es auch über den Online-Handel kostengünstig zu beziehen. Beim Kauf ist besonders auf Nachhaltigkeit bei der Herstellung zu achten und ob der Flachs als liefernde Pflanze für den Leinsamen nach ökologischen Gesichtspunkten angebaut und geerntet wurde. Der Einsatz von Pestiziden und Insektiziden ist ein absolutes NoGo.

Auch eine Beimischung von fragwürdigen Substanzen sollte von einer Kaufabsicht fern halten. Hier sollte man unbedingt nachfragen, wenn es aus dem aufgeklebten Etikett nicht hervorgeht. Frisch gepresstes Leinöl sollte es auf jeden Fall sein. Ein Grund ist nicht nur der nussige Geschmack, der bei frisch gepresstem Leinöl am besten zur Geltung kommt. Die in einem hohen Anteil enthaltene und als in der Regel besonders gesund bezeichnete alpha-Linolensäure ist sehr empfindlich. Hitze, Licht und Sauerstoff können ihr den Garaus machen. Wie erfahrene Leinöl-Konsumenten berichten, schmeckt das Öl bereits nach 10 Wochen bitter und soll einen Großteil seiner heilenden Wirkung verloren haben.

Es wird deshalb dazu geraten, das Leinöl nur in kleinen Mengen zu kaufen und es im Kühlschrank zu lagern. Kleine, für den einmaligen Gebrauch gedachte Portionen, sind im Gefrierfach gut aufgehoben. Dort bewahren die Leinölschätze nach Angabe von Profiköchen sogar noch einige Monate ihr Aroma und ihre Inhaltsstoffe.

Das Leinöl in Handwerk und Industrie

Das Handwerk hat sich auf die Verwendung von heiß gepresstem Leinöl kapriziert. Dieses dient als Konservierungs- und Bindemittel für Farbe. Es enthält noch viele Schleim- und Schwebstoffe. Auch raffiniertes Leinsamenöl, welches durch chemische Extraktion gewonnen wird, findet ausschließlich Verwendung im handwerklichen Bereich. Nach der Extraktion werden zumeist chemische Lösungsmittel eingesetzt, um das Leinöl vom Filtrat zu trennen. Sowohl bei der Heißpressung als auch bei der anschließenden Raffination gehen wertvolle Inhaltsstoffe verloren. Für die Ernährung oder pharmazeutische Zwecke ist dieses Filtrat dann nicht mehr geeignet.

Sonneneingedicktes Leinöl, das in der Fachsprache auch Standöl genannt wird, wird mit einem anderen Verfahren gewonnen. Der Leinsamen wird über mehrere Monate hinweg durch Sonneneinwirkung behandelt. Ähnlich ist auch die Herstellung vom geblasenen Leinöl, das im Gegensatz zum sonneneingedickten Leinsamenöl beim Umwälzen noch zusätzlich belüftet wird. Beide Verfahren haben gemeinsam, dass die Konsistenz des Öls zähflüssiger ist, es schneller aushärtet und das Volumen während der Aushärtungsphase verringert wird. Sonneneingedicktes Leinsamenöl wird vorwiegend von Geigenbauern genutzt.

Es trocknet schnell und verleiht dem bestrichenen Holz einen schönen Oberflächenglanz. Weiterhin soll es durch seine wasser- und schmutzabweisenden Eigenschaften zur Witterungsbeständigkeit beitragen. Geblasenes Leinöl findet hauptsächlich in der Gießerei- und Anstrichmittelindustrie als Kernbindemittel Verwendung. Auch die Druckfarbenindustrie benutzt geblasenes Öl zu Herstellung. Da diese Leinsamenöle aber sehr schnell aushärten, sind sie als Holzschutzmittel nicht geeignet. Der Grund: Sie können aufgrund ihrer schnellen Härteeigenschaften nicht tief genug ins Holz eindringen, weshalb die tiefer liegende Holzschicht nicht geschützt werden kann.

Nebenwirkungen und Hinweise

Leinsamenöl und Kapseln ersetzen in der Verwendung keinen Arztbesuch. Wenn Beschwerden schlimmer werden, ist ein Arztbesuch unbedingt angeraten! Schwangere sollten von einer Einnahme absehen. Es sind wie bei gewöhnlichen Leinsamen keine schwerwiegenden Nebenwirkungen bekannt. Lediglich Durchfall, Blähungen und Unverträglichkeiten können auftreten.

Bei schwer wiegenden Symptomen zum Arzt

Wundermittel gibt es nicht. Auch Leinsamenöl kann anhaltende Beschwerden, die auf eine ernsthafte Erkrankung hinweisen, nicht beseitigen. Deshalb sei an dieser Stelle nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln wie Leinsamenöl, Sanddornöl und Co auf keinen Fall einen Arztbesuch ersetzt. Sollte der Anwender unter schwerwiegenden Beschwerden leiden, ist es unabdinglich, umgehend den behandelnden Mediziner aufsuchen. Gerade dann, wenn Leinöl zu therapeutischen Zwecken eingenommen wird. Eine Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln kann zudem nie eine vollwertige und gesunde Ernährung ersetzen. Sie können diese lediglich unterstützen.



Studien über Leinsamenöl

Quelle für Studien und Informationen:

https://www.pbrc.edu/training-and-education/pdf/pns/pns_flaxseed.pdf

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