Baldrian und Baldrianwurzel – Wirkung und Anwendung

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Baldrian

Baldrian wurde bereits in Zeiten von Hippokrates verwendet. Bereits 500 Jahre v. Chr wurde es von den berühmten griechischen Ärzten Hippokrates und Dioskurides als Heilpflanze angewandt. In der alternativen Medizin war Baldrian etwa ab dem 18. Jahrhundert auch als Mittel zur Beruhigung bekannt. Bezüglich der Wirksamkeit gibt es keine klaren Angaben von offizieller Seite. Studien wurden durchgeführt, aber keine die so repräsentativ sind, dass sie auch medizinisch anerkannt wurden. Doch eines ist gewiss, selbst Katzen reagieren auf Baldrian, mit Placebo hat das in dem Fall sicherlich nichts mehr zu tun. Interessant ist es deshalb diesem Sachverhalt auf den Grund zu gehen. Die Pflanze riecht nicht angenehm, viele beschreiben den Geruch sogar als stinkend, weshalb sie besonders in der Darreichungsform als überzogene Baldrian Dragees beliebt ist und vielfach so angeboten wird – aber auch als Tropfen und Tee.

Was ist Baldrian?

Baldrian, auch Valeriana ist eine Pflanzengattung, die der Unterfamilie der Baldriangewächse (Valerianoideae) angehört. Die Bezeichnung Valeriana ist vermutlich auf das lateinische valere (kräftig, gesund) zurückzuführen. Manche vermuten allerdings auch einen Zusammenhang mit der römischen Provinz Valeria. Die botanische Bezeichnung Valeriana entwickelte sich dann zu Baldrian. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl diverser Arzneimittel, die die Baldrianwurzel als Zusatz enthalten, um gegen nervöse Unruhezustände und Schlafstörungen vorzugehen. Insbesondere in der alternativen Medizin soll die Wurzel zur Herbeiführung eines entspannten Gemütszustands eingesetzt werden können. Bei uns am bekanntesten ist unter anderem die Valeriana officinalis (echter Baldrian).

Einige Arten der Valeriana sind in Europa heimisch, andere in Nordamerika und Südamerika (vor allem in den Anden). Die ausdauernde krautige Pflanze wird häufig auch als „echter Baldrian“ bezeichnet (Valeriana officinalis). Die Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von bis zu 2 Metern und blüht in der Regel von Mai bis Juli. Baldrian enthält ein ätherisches Öl (Valerensäure und Isovaleriansäure), welches für den typischen Geruch verantwortlich ist. Das enthaltene Alkaloid Acitinidin gilt als Lockstoff für Katzen wie auch die Katzenminze. Aus dem Wurzelstock wird die Wurzeldroge hergestellt.

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Inhaltsstoffe und Zusammensetzung der Baldrianwurzel

  • Ätherische Öle (Hauptsächlich mit Bornylisovalerianat und Bornylacetat)
  • Valeranon
  • Caryophyllen
  • Camphen
  • verschiedene andere Mono- und Sesquiterpene
  • Valerensäuren
  • Valepotriate (Iridoide) mit Valtrat und Isovaltrat
  • Aminosäuren
  • Lignane
  • Pyridinalkaloide

Der typische Baldriangeruch wird auf die ätherischen Öle, insbesondere auf das enthaltene Bornylacetat und Bornylisovalerianat zurückgeführt. Für Katzen ist er anziehend und angenehm. Für den Menschen eher unangenehm und in gewisser Weise sehr penetrant. Dies ist ein Nachteil von Baldrian Tinkturen und Baldrianwurzel Tropfen. Dafür sind diese besser dosierbar und weisen oftmals noch eine erhöhte Konzentration auf. Tabletten und Dragees sind angenehmer zu verzehren und werden in der Regel über den Tag verteilt aufgenommen. Zudem kann man sie gut auch unterwegs mitnehmen – der Geruch ist fast neutral, da die Dragees überzogen sind.

Valeriana celtica und Valeriana jatamansi

Desweiteren gibt es neben dem kleinen Baldrian und dem echten Baldrian noch die Valeriana jatamansi – Indische Narde und die Valeriana celtica – Echter Speik. Der echte Speik zeichnet sich dadurch aus, dass die Blütenform einer Ähre nahekommt. In lateinischer Sprache heißt dies „spica“ und auf keltisch „celtica“. In Kombination dieser beiden Begriffe entsteht die Bezeichnung Valeriana celtica. Damals wurde er vor allem in Salben und Seifen sowie als Mittel gegen Motten eingesetzt. Die Häufigkeit des Anbaus geht stark zurück und wird fast ausschließlich nur noch von lizensierten Bergbauern in den Ostalpen praktiziert. Die Pflanze wächst in Höhen zwischen 1.800 m und 3.300 m.

Die Valeriana jatamansi hingegen wächst in den Höhenlagen des Himalayas und ist heute auch im asiatischen Raum beheimatet. Dort werden die Öle und Salben in der traditionellen, chinesichen Medizin eingesetzt. Sie wird dort aber auch wie hierzulande als Beruhigungsmittel eingesetzt, ähnlich wie die Valeriana officinalis. Die Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von 60 cm und überlebt selbst an sehr trockenen Standorten.

Einsatz in der Küche

Baldrianextrakte werden manchmal auch in der Küche zum Kochen und Backen eingesetzt, jedoch eher selten. Es gibt Aromen, die zum Beispiel Eis oder Gebäck zugesetzt werden. Tatsächlich verwenden einige Hersteller das Extrakt aus der Baldrianwurzel auch, um in gewissen Speisen ein Apfelaroma zu erreichen. Da Baldrian auch eine Verwandte des Feldsalats ist (kleiner Badlrian) – Valerianella spec kann auch das frische Frühlingsgrün des Baldrians in Salaten gut verzehrt werden. Dabei ist der Geschmack mit dem Feldsalat vergleichbar. Das Blatt ist zart und schmackhaft. Auch die Blüten können gegessen werden.

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Baldrian Wirkung: Einsatz als Heilpflanze?

Bei der Anwendung einer Heilpflanze wie dem Baldrian wird es sich in erster Linie auf die Überlieferung berufen. Wichtig ist zu wissen, dass genaue Wirkungsweisen noch weiter erforscht werden und deshalb auch keine genauen, treffenden Aussagen hier existieren. Erfahrungen und Meinungen gibt es in der weiten Welt des Internets zuhauf – zusammengefasst fallen diese sehr positiv aus. Zusätzlich wird immer wieder auf die erstaunliche Reaktion bei Katzen hingewiesen. Mit Hinblick auf die bisher getätigten Studien und über Jahre praktizierte Heillehren lassen sich jedoch die folgenden Schlüsse ziehen:

Prof. Dr. med. Volker Faust bezeichnet den Baldrian als „Pflanzenheilmittel mit Wirkung auf das Seelenleben“. Oftmals wird er auch mit Johanniskraut und Lavendel verglichen. Wenn es nach Volker Faust geht ist Baldrian eines der am Häufigsten eingesetzten Pflanzenheilmittel auf seelischer Ebene. Durch Baldrian Dragees beispielsweise soll also vor allem das seelische Befinden angesprochen werden. Dabei wird es zur Selbstmedikation vielfach eingesetzt, ohne dass es verschrieben werden muss. Es gibt Zweifler, was die Baldrian Wirkung angeht, gerade weil wissenschaftlich nicht genau geklärt ist welcher Wirkstoff für welche Funktion verantwortlich sein soll.

Neuere Studien (eine Pilotstudie) haben ergeben, dass die sogenannten A1-Rezeptoren hier eine ganz zentrale Rolle spielen. Im menschlichen Gehrin gibt es verschiedene Stoffe, die uns müde fühlen lassen. Zu diesen Stoffen gehört Botenstoff GABA (von „Gamma-Amino-Buttersäure“). Zuvor glaubte man, dass die Baldrianwurzel auf den GABA-Regelkreis einwirkt. Das Müdigkeitsmolekül Adenosin soll neueren Studien zufolge jedoch eine deutlich zentralere Rolle spielen. Es induziert demnach den Schlaf, was auch Christina Müller von der Universität Bonn bestätigte.

An Tieren wurde getestet, was passiert, wenn man sie länger wach hält. Zunehmend häuft sich das genannte Müdigkeitsmolekül demnach im Gehirn an. Es bindet an die Nervenzell-Rezeptoren vom Typ A1 (Adenosin-Rezeptoren). Die daraus resultierende Reaktion macht den Körper schläfrig. Das Baldrian Extrakt kann Herrn Professor Müller von der Universität Bonn zufolge – siehe Anhang – an Adenosin-Rezeptoren binden. In den getätigten Versuchen an Ratten hat sich gezeigt, dass Baldrianwurzel Extrakte im Gehirn der Tiere an die A1 Rezeptoren binden konnten. Das Extrakt soll ähnlich wie Adenosin laut Professor Müller zudem die Rezeptoren aktivieren können. Es gab allerdings bisher keine 1 zu 1 Humanstudien, sondern lediglich Versuche mit gentechnisch geschaffenen menschlichen Rezeptoren.

Studien über Valerian – Gegen Ängste und für ruhigen Schlaf

Sehr viele unterschiedliche Studien wurden hinsichtlich der möglichen Baldrian Wirkungsweise und Anwendung durchgeführt. Das am Ende des Textes verlinkte Datenblatt, welches eine systematische Überprüfung der Inhaltsstoffe thematisiert deutet darauf hin, dass Baldrian die Schlafqualität verbessern könnte, allerdings gab es methodische Probleme bei der Durchführung der eingeschlossenen Studien, welche die Möglichkeit treffende Ergebnisse zu liefern einschränken. Zudem sind auch diese Studien nicht durch den Gesetzgeber, sondern durch anderweitige Organisationen durchgeführt worden. Nicht weniger interessant sind dennoch die Ergebnisse der Baldrian Studien.

Angesichts der hohen und immer mehr zunehmenden weltweiten Schlaflosigkeit und der damit verbundenen Morbidität und den ökonomischen Kosten sollten zukünftige Studien über Baldrian dem Datenblatt zufolge eine hohe Priorität haben. In manchen Studien war Baldrian bei einer Einnahme von 14 Tagen nicht sehr viel wirkungsvoller als Placebos. Andere Studien, die über einen längeren Zeitraum gingen sollen jedoch gezeigt haben, dass Baldrian relativ schnell effektiver als Placebo war. Rückschlüsse können auf eine mögliche Wirksamkeit gegen Ängste und zur Beruhigung zugelassen werden. Meist wird es ohnehin in Kombination mit anderen Bestandteilen in pflanzlichen Präparaten angeboten.

Auch eine australische Studie befasste sich mit der Baldrianwurzel Wirkungsweise im Vergleich zu Placebo. Es zeigte sich, dass hinsichtlich der 6 untersuchten Parameter wie Schlafqualität und Schlafdauer eine Besserung bei 35 bis 55 Prozent der Patienten beobachtet werden konnte. Dennoch kam man hier zudem Entschluss, dass die Wirkung im Vergleich zum Placebo nicht signifikant besser war. Eine Metaanalyse aus dem Jahre 2010 hingegen zeigte, dass bei insgesamt 18 Studien einige Teilnehmer eine wesentlich gebesserte Schlafqualität im Vergleich zum Placebo festmachen konnten. Es bleiben die Ergebnisse weiterer Studien abzuwarten.

Nebenwirkungen der Baldrianwurzel

Pflanzliche Arzneimittel oder Nahrungsergänzungspräparate haben in der Regel deutlich weniger Nebenwirkungen als Medikamente. Dennoch ersetzen sie diese nicht zum Einen und zum Anderen kann es Menschen geben, die auf bestimmte Pflanzen allergisch reagieren. Allergische Reaktionen sind demnach möglich. Dies sollte man dann im Falle der Einnahme von Baldrian Dragees oder Tropfen sowie Tees mit dem zuständigen Arzt abklären. Häufig berichtet wird jedoch von einer gewissen Schlappheit und Müdigkeit, gerade bei höheren Dosierungen. Zudem, in seltenen Fällen soll es zu Problemen mit der Verdauung und im Bereich des Magen-Darmtraktes kommen.

Daneben gibt es Berichte über Kopfschmerzen oder sogar selten Aussagen darüber, Baldrian könne Ursache von Störungen in der Herzfunktion sein. Bedacht werden sollte auch, dass möglicherweise Medikamente, die zur Beruhigung oder zur Schlafförderung gedacht sind verstärkt werden könnten. Auch auf einen gleichzeitigen Alkoholgenuss sollte verzichtet werden.

Es gilt deshalb sich genauestens an die Vorgaben der Hersteller zu halten.
Einige Packungsbeilagen weisen auch auf ein konkretes gesundheitliches Risiko hin. Dies besteht demnach augenscheinlich bei Leberkranken, Epileptikern, Alkoholkranken, Hirngeschädigten, aber auch bei Schwangeren und Kindern. Zusätzlich wird darauf hingewiesen, dass eine Wirkung anderer Arzneimittel beeinträchtigt oder verstärkt werden kann. Grundsätzlich gefährlich ist die Einnahme durch Kinder nicht, es wird jedoch darauf hingewiesen eine Einnahme bei Kindern unter 6 Jahren zu vermeiden.

Dosierung und Einnahme

Baldrian wird nicht nur als Dragees, sondern auch in Tees, als Tropfen oder als Zusatz in Medikamenten (Phytopharmaka) angeboten. Meist wird es als pflanzliches Beruhigungsmittel deklariert. Die Baldrianwurzel wird dabei je nach Darreichungsform und Mischverhältnis unterschiedlich dosiert. Extrakte der Melisse oder Hopfen beispielsweise werden häufig mit der Wurzel kombiniert. Extrakte der reinen Droge werden in der Regel durchschnittlich mit 2-3 g täglich dosiert – so zum Beispiel auch bei Tees.

Empfohlen wird gerade bei Tropfen und Tinkturen auf der Verpackung selbst, dass es zudem möglich ist bei akuten Einschlafsstörungen 400 bis 900 mg des Extraktes eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen einzunehmen. Bei Unruhezuständen wird in der Regel eine Einnahme von 300 bis 450 g über den Tag verteilt von den Herstellern empfohlen. Die Tropfen nimmt man zusammen mit einem Glas Wasser ein. Zur Herstellung eines Baldranwurzel-Badezusatzes für die äußere Anwendung wird ein Aufguss mit 100 g Baldrianwurzel in 2 Litern Wasser hergestellt. 10 Minuten lässt man diesen ziehen und gibt den Aufguss dann durch ein Teesieb. Anschließend gibt man es zum Badewasser hinzu. 10-20 Minuten Badezeit ist die Regel, diese soll das Gemüt entspannen.

Für den Baldrian Tee werden 2-3 g der Droge mit heißem Wasser übergossen. Anschließend etwa eine Viertelstunde ziehen lassen und ein Teesieb nutzen. Der Baldrianwurzel-Tee eignet sich besonders gut vor dem Schlafen gehen und kann 1-3 mal täglich getrunken werden.

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Baldrian Dragees oder Tropfen kaufen

Zu welcher Darreichungsform man letztendlich greift hängt ganz von einem selbst ab. Baldrian Tropfen bringen einen extrem penetranten Geruch mit, dafür kann man diese höher dosiert vor dem Schlafengehen zum Beispiel anwenden. Auch kann man das flüssige Extrakt einem Tee beigeben. Die überzogenen Dragees oder Kapseln hingegen werden üblicherweise 2-3 mal über den Tag verteilt eingenommen (auch beim flüssigen Extrakt üblich), jedoch fällt hier der penetrante Geruch sowie unangenehme Geschmack weg. Baldrian schmeckt als Extrakt ziemlich bitter und der Geruch setzt sich nicht selten für eine kurze Zeit an den Gegenständen fest, mit denen er ihn Berührung kommt.

Preislich gesehen ist man bei beiden Darreichungsformen relativ gleich gelegen. Der Tee ist meist günstiger, kann aber nicht unterwegs verzehrt werden. Möchte man diesen kaufen, so wird man normalerweise in den meisten Supermärkten oder Drogerien fündig. Anders verhält es sich mit den Dragees oder der Tinktur. Diese sind nur in besser sortierten Drogerien oder Supermärkten sowie online erhältlich. Wer ohnehin gerne seinen täglichen Tee trinkt, der ist mit der Droge als getrocknetes Kraut sicher am besten dran. Die beiden alternativen Darreichungsformen eignen sich vor allem gut für unterwegs und diejenigen, die das Tee Aufbrühen vermeiden wollen oder nicht gerne Tee trinken.

Die Tinktur wird weist meist einen Alkoholgehalt von 65-70 Vol.-% auf – als Auszugsmittel wird also Ethanol verwendet. Die Baldrianwurzel wird in der Regel im Verhältnis 1:5 verarbeitet. Dabei wird die Tinktur verdünnt mit Wasser eingenommen. Zu beachten gilt es, dass keine künstlichen oder chemischen Zusätze im Produkt enthalten sind. Wer darauf abzielt von der natürlichen Wirkung der Baldrianwurzel zu profitieren sollte deshalb dieses Merkmal im Auge behalten.

Studien und Quellen zum Thema Baldrianwurzel

Universität Bonn und Presseinformation über die Inhaltsstoffe und Adenosin-Rezeptoren:

https://www.uni-bonn.de/die-universitaet/informationsquellen/presseinformationen/2004/058

Text PLANZENHEILMITTEL MIT WIRKUNG AUF DAS SEELENLEBEN:

http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/baldrian.htm

Valerian für den Schlaf – Studien und Meta Analyse:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4394901/

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